Unsere Erkenntnisse und Schlüsse für die Zukunft
Wir haben, bedauerlicherweise leider nicht alle gemeinsam, die anvisierten Ziele unserer Recherche-Tour weitestgehend erreicht: wir konnten wichtige Informationen für zukünftige Rundtouren sammeln und sind damit nicht mehr auf Reiseberichte und Vorgaben der Touren-Literatur angewiesen. Daher können wir jetzt kontemplativ-initiatische Wanderungen in unserem Stil planen und durchführen. Wir kennen jetzt alle 13 Zugangspunkte und auch mögliche Tour-Variationsmöglichkeiten. Ganz sicher werden wir uns das nächste Mal wesentlich mehr Zeit lassen. Es gibt dazu mehr als genug Unterkünfte für gewollte oder durch das Wetter erzwungene Übernachtungen. Deren 18 haben wir gezählt! Wir kennen nun den Zustand und die Eignung der allermeisten, wissen, wo es Wasser und funktionierende Öfen gibt. Das gibt es in dieser Dichte in den Alpen nicht.
Fest steht leider auch, dass die vollständige Rundtour nicht mit Esel-Begleitung möglich ist. Dies mindert den Komfort der Reise, da das Gepäck und der Proviant auf tragfähige Dimensionen reduziert sein müssen. Volumen und Gewicht werden durch die Rucksäcke und die Kraft der Personen bestimmt. Das heisst leider auch, dass unsere beiden Mädels noch zu klein dafür sind, alles selbst zu tragen, was sie für eine Mehrtages-Tour brauchen. Sicherlich kann man bei der Nordflanke weit ausholend ein Stockwerk tiefer ausweichen, würde nach Valmanya auf unter 1000m absteigen, zwei Zugangspunkte auslassen und im Weiteren das Refuge Des Cortalets auf der Forststraße bis zum Refuge Bonne Aigues unterwandern. Ob dies jedoch attraktiv bezüglich der Wege-Beschaffenheit und Aussicht ist, müsste geprüft werden. Die wilden Schluchten der Canals de Malaterra im Westen sind dann aber, wie der Name schon sagt, ein unüberwindliches Hindernis. Man ist gezwungen bis Vernet Les Bains auf 700m abzusteigen. Attraktiv könnten dort eventuell die Thermalbäder sein. Insgesamt würde dies aber die Reisedauer wohl verdoppeln. Damit würde es phasenweise wohl eher zu einer Fastenwanderung. Andererseits könnte man sich unten in Vernet auch mit frischem Proviant eindecken. – Auch eine Abkürzung wäre möglich: Wie wir von Jean, dem Esel-Führer aus Montferrer, bei der Begegnung am Refuge San Guillem gehört haben, gibt es in Valmanya noch einen Anbieter für Esel-Touren. Dieser geht mit seinen Eseln hoch hinauf, über den Crête de Barbet, unterquert auf der Südseite den Canigou auf etwas über 2700m, um mit seinen Gästen auf die Westseite nach Les Mariailles zu gelangen. Nach meinem Dafürhalten ist dies aber keine Umwanderung des heiligen Berges mehr, da man diesen nur 70 Höhenmeter unter dem Gipfel streift. Bliebe also doch nur die 4-Tages-Tortour mit leichtem Gepäck, teueren Übernachtungen mit Halbpension und jeweils eingekauftem Imbiss-Paket für mittags. Keine wirkliche Option für uns.
Was wir wirklich in Angriff nehmen werden, ist die Wiederherstellung des Weges unserer letzten Etappe zwischen San Guillem und Les Estables. Es ist nur ein relativ kurzes Stück im Wald mit Bachüberquerung, welches für unseren Gardi-An nicht passierbar erschien. Damit erschließen wir uns den Zugang zum Pla Guillem, dem mythischen Hochplateau, welches wir dann in eineinhalb Tagesmärschen erreichen könnten. Kerstin und die Mädels möchten da unbedingt auch mal hin – dem Himmel so nah. Es macht wirklich einen deutlichen Unterschied, auf dem Gipfel des Puig des Tres Vents auf 2734m zu stehen oder sich in der Weite eines Hochplateaus auf 2300m aufzuhalten. Die Qualität der Empfindungen ist jeweils eine völlig andere.

