Familien-Harmonie
„Diese göttliche Schönheit von Himmel uns Erde! Die ganze Schöpfung, Mitglieder Einer Familie.“
Ueshiba Morihei, Aikido-Begründer
Familie ist nach allgemeiner Auffassung Vater, Mutter, Kind(er). Wir aber möchten für uns den Begriff ‚Familie‘ tiefer ergründen und transzendieren. Sind nicht Mann und Frau zusammen bereits potentiell Familie? Nein, wohl nicht, denn nach dem Gesetz der Manifestation braucht es ein Drittes. Muss sich aber erst „das Blut mischen“ und ein Kind da sein? Oder reicht ein gemeinsames Haustier oder ein gemeinsames ‚Projekt‘?
Für uns stellen sich diese Fragen eigentlich nicht, da wir gesegnet sind mit drei Kindern und daher klar sichtbar eine Familie sind. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Empfindet sich jede/r als Mitglied einer Familie? Da reicht schon, wenn eine Person in den Wechseljahren ist, seien es die ersten (Pubertät) oder die zweiten („Midlife Crisis“) – und schon wird die Antwort schwierig.
Was ist Familie?
Die siebte der mystischen Tugenden gibt uns einen Hinweis, wenn es heißt „… zeige absolute Loyalität den Deinen gegenüber. …“. Gibt es einen Zusammenhalt, ein Gefühl von Einheit oder herrscht bequeme Gewohnheit und bloße genetische (Bluts-) Verwandtschaft? Man überlege sich, wer wirklich „die Meinen“ sind. Da steckt Freiheit, aber auch viel Arbeit darin: Immer wieder hinterfragen, entscheiden und es zeigen, es leben.
Alles verändert sich, immer. Die Kinder werden mal das Haus verlassen und neue ‚Eigene‘ finden. Und wenn Mann und Frau in die Falle von ’nur Papi und nur Mami‘ – Rollen gestolpert sind, hat sich dann spätestens die Beziehung auch erledigt. Meistens passieren Familien zugleich die ersten („Kinder“) und zweiten („Elternteil“) Wechseljahre. Da steckt dann viel potentielle Energie drin. Meist mit zentrifugaler Tendenz. Es ist ja auch natürlich, dass sich Dinge auseinander entwickeln. Dann nämlich, wenn sich eine Ebene erfüllt hat.
Zusammengehörigkeit
Wie also als Mensch, quasi human, zusammenkommen, zusammenbleiben oder auseinandergehen? Da gibt uns die erste der mystischen Tugenden den wertvollen Hinweis: „Alle Dinge sind miteinander verbunden. Sei höflich, denn Höflichkeit verleiht Anmut und bringt die Herrschaft des Einenden Geistes zum sichtbaren Ausdruck.“ Man begegne sich immer mit Höflichkeit! So ist man vor einer Verwechslung von ‚Familiarität‘ und ‚Verbindlichkeit‘ gut geschützt.
Familiarität bedeutet für uns Übergriffigkeit, das heißt, dass die Integrität des anderen beschädigt wird. Man kennt sich gerade in langjährigen Beziehungen sehr gut, vor allem die Schwachpunkte, Unzulänglichkeiten und ‚Verfehlungen‘ des Partners/Kindes. Diese offen anzusprechen, meist in einer abfälligen Sprache und womöglich auch noch vor Dritten, kann sehr verletzend sein. Da entstehen emotionale Verletzungen und mit der Zeit ‚Narben auf der Seele‘. Innerliche Distanzierung ist die natürliche Reaktion.
Verbindlichkeit dagegen zeigt dem Gegenüber das fortwährende Wohlwollen und drückt sich durch eine höfliche Sprache aus. Aikido, die Kunst des Friedens, lehrt uns, dass dies auch in konfliktgeladenen Situationen möglich ist. Gerade in frühem Stadium gibt es noch keine Eskalation auf allen Ebenen. Wenn man sich die Mühe macht, erst festzustellen, auf welcher Ebene der Konflikt oder das Problem besteht und es auch da anzusprechen, bleiben die anderen Ebenen, um in Verbindung zu bleiben. Dies zeigt auch, dass damit nicht alles zwischen den Partnern betroffen ist.
Wir haben als Erwachsene zumindest drei Ebenen zur Verfügung, die physische, die emotionale und die mentale. Gibt es also ein sachliches (Verstandes-) Problem, so kann man auf der emotionalen Ebene gleichzeitig die Verbindung halten, bei aller Kritik. Bei (kleinen) Kindern ist es ratsam, die Verbindlichkeit auf der körperlichen Ebene zum Ausdruck zu bringen, da bis in die Pubertät der Körper das primäre Erfahrungsmedium ist. Das immer wieder Erstaunliche dabei ist, dass der Inhalt der Kritik dadurch viel besser ankommt und eher angenommen wird. Die ‚AIKI – Methode‘ ist da sehr effektiv. Wir müssen dann lernen, viel behutsamer zu formulieren, was unseren sprachlichen und auch körperlichen Ausdruck betrifft. Ein Problem ist dann nämlich wortwörtlich als relativ erkannt.

