Mit Farben in die Natur

Die weißen Wanderer

Farben beeindrucken uns in mehrfacher Hinsicht. In deren bloßer Wahrnehmung wirken diese auf unser Gemüt, beeinflussen unseren Seelen-Zustand. So stimmt uns das viele Grün in der Natur immer positiv. Scheint auch noch die Sonne, fühlen wir uns sogar erheitert. Farben wirken aber auch als Symbol…

Farbe als Symbol wirkt auf unseren Geist, weit über den Intellekt hinaus. Durch Kontemplation und Meditation können wir uns dieses Reich erschließen. Durch das bewusste Tragen farbiger Kleidung können wir etwas Tieferes ausdrücken und damit auch verstärken. Im Aikido, beispielsweise, tragen wir die Farbe Weiß als Übungskleidung (Do-Gi). Als Anfänger symbolisiert diese Nicht-Wissen, Unschuld, Unbelastet-Sein. Sind wir fortgeschrittener durch viele Übungsstunden, kommt die Farbe Schwarz als Gegenpol-Farbe hinzu (schwarzer Hakama). Die Licht-Verwandtschaft des Weißen hat unser Ego und unsere Schattenseiten zum Vorschein gebracht. Durch die Praxis des Aiki-Do mussten wir diese anschauen, d.h. erkennen. Haben wir diese Seite des Ego einigermaßen unter Kontrolle gebracht, so tragen wir diese offen nach Außen, als Ermahnung, aber auch als potentielle Bedrohung. Der schwarze Hakama hat sieben Falten, welche die sieben Tugenden (-> Artikel) symbolisieren, mit deren Hilfe wir unsere Schattenseiten zügeln. So ist der Mensch in der Materie – halb gut, halb böse. Er selbst entscheidet nach freiem Willen. Jedes Mal, immer wieder.

Wenn wir zum Arbeiten in hinaus in die Natur, ins Grüne gehen, zum kultivieren, so kleiden wir uns blau. Das Blaue „verschwindet“ im Grün. Blau unterstützt uns im Aufgehen in unserer Arbeit, in unserem Sein. Im Seelischen sind wir ganz in unserer Empfindungsfähigkeit und gehen auf dieser Ebene in den Dialog (-> Artikel) mit der Natur. Interpenetrativ, sich gegenseitig durchdringend, ergibt sich das Stimmige, quasi im Einklang. Und die Frage stellt sich: Wer kultiviert hier wen?

Nach jahrzehntelanger Aiki-Do Praxis und Arbeit an sich selbst ergibt sich das Bedürfnis nach heller, weißer Kleidung. Wir haben uns gründlich durchleuchtet, haben dabei gelernt, unser Ego zu überwinden. Wir sind von einer ego-zentrischen Weltbetrachtung, die uns als Mensch als Bezugspunkt über Allem in die Mitte stellt, zu einem öko-zentrischem Weltbild gekommen, welches uns in Verbundenheit in eine Ebene mit Allem stellt. Die Farbe Weiß beinhaltet alles, das ganze Spektrum und den Gegenpol, das Schwarz. So praktizieren wir, so gehen wir in die Natur. Wir tendieren zu nichts, sind nicht voreingenommen, wir urteilen nicht. Wir sind jetzt bewusst unbelastet. „Uketamo“: Wir akzeptieren, was IST. Die Farbe Weiß unterstützt uns dabei. Im Profanen hat die helle Kleidung hier noch den Vorteil, von den Jägern leichter vom Wild unterschieden zu werden. Bei den Treibjagden muss schnell agiert werden. Da kann es leicht vorkommen, dass man sich „ver-schießt“…

In Japan ist Weiß eine Trauerfarbe. Es ist die Farbe des Jenseitigen, des mit den äußeren Sinnen nicht Wahrnehmbaren. Sie ist nicht von dieser (materiellen) Welt, sondern aus dem Geistigen, der Vor-Schöpfung.

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