Ein Erholungstag beim Refuge La Batère
Wir sind alle drei schon früh wach und können so die Sonne begrüßen die gerade aus dem Meer aufsteigt. Ein grandioser Sonnenaufgang! Wie das Meer glitzert und funkelt und die Sonne mit zunehmender Intensität die Farben um uns herum verändert! Keiner von uns dreien wagt es diese erhabene Zeit zu stören. Erst als die Sonne schon höher am Himmel steht, fangen wir an, uns über die Pläne für diesen Tag zu unterhalten. Burgi ist heute nicht fit. So beschließen wir, erst einmal eine Kleinigkeit zu frühstücken (leider gibt es keinen warmen Tee und keinen Brei, da Robert und Ludwig den Kocher dabei haben). Wir können uns jedoch etwas stärken und erfreuen uns am kühlen Wasser, mit dem wir auf dem Weg hierher noch unsere Flaschen befüllt haben.

Unser nächstes Ziel ist das Refuge La Batère. Wir haben vor, uns dort erst einmal richtig auszuruhen. Keiner von uns kann sich nämlich vorstellen, heute recht weit zu gehen……So packen wir wieder unsere Taschen und Rucksäcke, beladen Gardi-Ane und machen uns auf den Weg zum Refuge. Wir wählen die Pisten-Variante, vorbei am Tour der Batère, der hier am Berg als Zeitzeuge auf der Oststeite des Massifs trohnt. Mittels dieses Türme wurde hier im Vallespir Nachrichten übermittelt. Weitere solcher Türme und Turmreste stehen, gut sichtbar, auf uns umgebenen ausgesetzten Bergspitzen. Selbst ganz am Meer, dort wo die Albères ins Meer münden, können wir einen Turm erblicken. Der Weg ist breit und staubig, wir erfreuen uns aber an den reifen Himbeeren, die am Wegesrand zahlreich wachsen. Hier begegnen wir auch wieder der Zivilisation. Erst passiert uns ein Motorradfahrer, der sich über uns freut und uns mit einem „Daumen hoch“ ermutigt. Kurz darauf kommt ein deutscher Geländewagen, dessen Insassen uns begeistert zu winken und uns mit Handkuss passieren. Wir geben wohl ein seltenes, doch sehr erfreuliches Bild ab: Eine Mutter mit zwei Mädels, einem Hund und einem Großesel der voll bepackt und gut gelaunt neben uns her marschiert. Ich frage mich, warum gerade Familien nicht häufiger solche Touren machen: Familienzeit pur, in ganz anderem Rhythmus, ohne jegliche Ablenkung. Es gibt für jedes Alter so viel zu entdecken, zu lernen und Erfahrungen für’s Leben zu sammeln!

Etwas 1,5 Stunden später erreichen wir, zuletzt auf der geteerten steilen Zufahrtsstraße wandernd, das Refuge. Wir binden unseren Esel am Terassengeländer an und suchen die Wirtin. Wir vereinbaren mit ihr, dass wir unser Lager am Biwakplatz aufschlagen werden, um bis morgen hier zu bleiben. Burgi ist heute körperlich angeschlagen, möchte sich nur hinlegen. So richten wir unser Lager ein und bauen für Gardi-Ane eine kleine Koppel auf. Lina bleibt bei Burgi am Lager, in der Hoffnung, dass die uns bereits bekannten Patous sie hier nicht entdecken. Luci und ich gönnen uns ein kräftiges Almessen im Refuge. Anschließend machen auch wir es uns erst einmal auf dem Schlafsack gemütlich. Gegen Abend füllt sich der Biwakplatz zunehmend. Wanderer aus aller Welt schlagen hier für eine Nacht ein Lager auf, genießen den Komfort einer kräftigen Mahlzeit, um dann am nächsten Morgen in aller früh wieder aufzubrechen. Unser Gardi-Ane ist natürlich der Star des Platzes. Er quittiert dies begeistert mit ungewohnt häufigem und lautstarkem „Iiiiaaahh“. Wir betrachten und genießen das Treiben um uns herum, unterhalten uns kurz mit dem ein, oder anderen und ziehen uns dann früh ganz in unser Biwak zurück. Der Tag endet jedoch nicht ohne erneute Aufregung: Tatsächlich kommt im letzten Licht ein Patou auf den Biwakplatz. Er hat wohl Gardi-Ane entdeckt und womöglich Lina gewittert. Die Schafe hören wir weit weg, so hat er wenigstens nichts zu schützen. Wir schieben Lina zwischen die Mädels und unter den Schlafsack und ich gehen dem beeindruckenden Hund entgegen, um ihm deutlich zu machen, dass er wieder gehen kann und keine Gefahr besteht. Er zögert kurz, kehrt dann aber doch um und geht langsam schreitend wieder in Richtung seiner Herde. Da die Situation sich somit entspannt hat, verfrachten wir Lina wieder auf ihren Platz und kuscheln uns wieder in unsere Schlafsäcke.

K.M.

