Tour de Canigou – Tag 3

Die rauhe Nordseite des Massifs

Die Nacht vor dem Refuge l’Estanyol ist wundervoll: sanft bläst der Wind die Wolken vom Tal herauf, die dann mitunter die zahlreich glitzernden Sterne verdecken und uns kuzzeitig sanften Nieselregen bringen. Morgens erwachen wir jedoch gut ausgeruht, innen warm und außen ziemlich feucht. Jedoch scheinen bereits erste Sonnenstrahlen auf die Terasse, so dass wir unser gesamtes Schlaflager zum Trocknen über das Geländer hängen können. Wir stellen wieder fest, dass ein Kocher für 5 Personen einfach zu wenig ist. So dauert es wieder etwas bis wir genug heißes Wasser für den Tee haben und endlich unseren warmen Brei zubereiten können. Aber unser Gepäck ist derweilen auch wieder trocken verpackt und kann in den Rücksäcken und auf dem Esel verstaut werden.

Wir verabschieden uns von den netten Niederländern, die dort mit uns die Nacht verbracht haben und setzen unsere Wanderung fort; nach den Erfahrungen vom Vortag, etwas gespannt, wie die Wegbedingungen sich wohl entwickeln würden. Schon bald zeigt sich, dass die Nordseite zunehmend steil und schroff und der Weg, noch schmaler und ausgesetzter, bereits eine Herausforderung für unseren Esel ist. Der Packsattel ist mit Gepäck schlichtweg zu breit für diesen schmalen Bergpfad. So müssenen wir immer wieder abladen, das Gepäck durch die schmaleren Stellen selbst tragen, um diese dann, auf kaum breiterem Pfad, wieder neu auf Gardi-Ane zu befestigen, um weitzuwandern.

Nach etwas mehr als einer Stunde geht es dann tatsächlich nicht mehr weiter. Wie stehen vor der nächsten Schlucht, die wieder eine Bachüberquerung mit sich bringt. Nur diesesmal stellt sie für den Esel ein unüberwindbares Hinderniss dar. Verursacht durch einen glatten Felsabbruch geht es gut einem Meter fast senkrecht nach unten und die wenigen vorhandenen kleinen Tritte traut sich unser Gardi-Ane nicht nehmen. Umdrehen scheint zuerst ebenfalls unmöglich, so dass wir erst einmal abladen und die Anspannung etwas setzen lassen müssen. Gott sei Dank bewahrt Gardi-Ane immer die Ruhe und bleibt erst einmal bewegungslos stehen, um dann die wenigen Grashalme zu knabbern, an die er gerade noch heran kommt. Eine Gruppe Franzosen passiert uns mit einigen Schwierigkeiten, weil es so schmal ist, meint, der Esel würde dies mit etwas Druck schon schaffen. Aber nachdem wir die Karte studiert haben, entscheiden wir es nicht zu forcieren, um dann womöglich an einer der nächsten zahlreich folgenden Schluchten hängen zu bleiben. Unser Rückweg wäre dann ebenfalls unmöglich.

Schweren Herzens entscheiden wir, dass Robert und Ludwig die Tour alleine fortsetzen würden. Kerstin wollte mit den Mädels zurück zum Refuge l’Estanyol gehen, um dann einen neuen Weg über die Minen von La Pinouse auf der Ostseite des Massifs auf etwa 1.400 m zu erkunden. Wir packen um, verteilten die Lebensmittel und Robert und Ludiwg setzten ihren Weg nun schwer bepackt alleine fort……..

Kerstin und die Mädels schaffen es nach einigen Versuchen mit Gardi-Ane auf dem schmalen Weg umzudrehen, beladen den Esel neu und kehren erst einmal zum letzten Nachtlager zurück, um dann zu entscheiden, wie es weiter geht……….

K.M.

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